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Vortrag “Tendenziös und unbestechlich. Sallust und Tacitus als Repräsentanten der römischen Geschichtsschreibung” von Dr. Prof. Konrad Heldmann am 7. Mai

Frau Fadiga eröffnet die Veranstaltung, zu der neben dem grundlegenden und dem erhöhten Lateinkurs auch die beiden erhöhten Geschichtskurse der S2 und einige SchülerInnen von anderen Schulen erschienen. Sie erzählt, dass Prof. Heldmann ein ehemaliger, von ihr und den anderen StudentInnen damals sehr geschätzter, Dozent aus ihrer Studentenzeit war. Die Vorlesung heute sei zustande gekommen, da sie sich vor einigen Monaten zufällig bei einem Vortrag am Johanneum wieder trafen.

Prof. Heldmann gliederte seinen Vortrag in 3 Abschnitte:
Begriffsdefinitionen
Merkmale der römischen Geschichtsschreibung
Sallust und Tacitus

Prof. Heldmann erklärt „dass sich die Idee der Geschichtsschreibung über die Jahre verändert hat und infolgedessen die römische Geschichtsschreibung mit der heutigen (fast) keine Gemeinsamkeiten mehr hat.“ Die wichtigsten Merkmale der römischen Geschichtsschreibung sind:

 

    1. Soziale Stellung des Historikers: Die römischen Geschichtsschreiber gehörten (fast) immer zur politischen Elite → Die römische Geschichtsschreibung ist aus Sicht der politischen Elite.
    2. Stoff des Historikers: In der römischen Geschichtsschreibung wird nur die sog. Ereignisgeschichte behandelt, d.h. nur machtpolitisch relevante Ereignisse werden festgehalten, sozial- und kulturthemen finden keine Beachtung (Bsp.: catilinarische Verschwörung, keinerlei Aufzeichnungen zum Bau eines Aqueducts)
    3. Aufgabe des Historikers: Die Aufgabe eines römischen Historikers war es nicht, eine Rekonstruktion der Vergangenheit zu schaffen, sondern jene zu deuten und zu gestalten. Da man in Rom nach dem Prinzip mos maiorum (zu Deutsch: “Was die Vorfahren taten.”) handelte, die Vergangenheit also Kriterium für das Handeln der Gegenwart war, war es die Aufgabe der Historiker Vorbilder und vorbildliches Handeln als solches kenntlich zu machen.
    4. Subjektivitätsprinzip: Die römische Geschichtsschreibung ist Meinungsliteratur, durch die Konzentration auf Einzelereignisse kann sie sogar zur Thesenliteratur werden. Diese Einseitigkeit des Historikers setzte nach Heldmann unbestechliche moralische integrität voraus.
    5. Der literarische Anspruch: Die Lektüre muss ein Vergnügen sein (voluptas/ delectare)
    6. Der methodische Anspruch: Der Historiker muss den Leser mit seiner subjektiven Darstellung und Deutung der Ereignisse überzeugen können: persuadere als Grundprinzip der römischen Geschichtsschreibung, wie in der Rhetorik.

 

Der Anstoß z. B. für Tacitus zur Geschichtsschreibung war, so Prof. Heldmann, das sog. Domitianerlebnis: Wie konnte es dazu kommen, dass.die Regierung des Kaisers Domitian zu einer Schreckensherrschaft wurde? Um beispielhaft die Motivation zur Geschichtsschreibung darzustellen zitiert Prof. Heldmann Tacitus, annales, 3, 65, 1: “Ich habe mir vorgenommen, Stellungnahmen im Senat nur dann zu berichten, wenn sie durch ihre Lauterkeit oder aufgrund besonderer Schädlichkeit bemerkenswert waren, weil ich das für die eigentliche Aufgabe von Annalen halte, damit vortreffliches Verhalten nicht verschwiegen wird und damit das böse Wort und die böse Tat sich vor Schande bei der Nachwelt fürchten muss.”

 

Nach dem Vortrag war noch eine gute Viertelstunde Zeit, um Fragen aus dem Publikum zuzulassen.

Am Ende wurde Prof. Heldmann von Herrn Richter mit einem Geschenk und einer Rede, in der er u.a. das Publikum für seine Aufmerksamkeit und Fragen lobte, verabschiedet. Damit war die Veranstaltung um ca. 19:30 Uhr beendet und die SchülerInnen konnten sich auf den Weg nach Hause machen.

Artikel von Niklas Hoyer