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Historische Spurensuche in Berlin-Mitte – Exkursion der 10d

Am 4. Juli ging es zum Ende ihrer gemeinsamen Zeit als Musikklasse für die 10d nach Berlin. Nach einer erfreulich planmäßigen Ankunft am Hauptbahnhof ging es zunächst im Verlauf der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze an der Spree entlang durch das Regierungsviertel zum Bode-Museum auf der Museumsinsel.

Der imposante neobarocke Museumsbau aus der Wilhelminischen Zeit, der für seine Sammlung geistlicher und vormoderner Werke bekannt ist, beherbergt zur Zeit in einer kleinen Sonderausstellung eine der einflussreichsten Berührungen von moderner Kunst und Philosophie. Dabei handelt es sich um die Aquarellzeichnung „Angelus Novus“ (1920) von Paul Klee (1879-1940) und die Deutung dieses Bildes in der 9. These in Walter Benjamins posthum und fragmentarisch überliefertem Text „Über den Begriff der Geschichte“. Dieses Bild war bis zu Benjamins Flucht vor den Nationalsozialisten, auf der er unter tragischen Umständen im September 1940 zu Tode kam, in seinem Besitz und er vermachte es seinem Freund und Kollegen Gershom Scholem. Entgegen eines Fortschrittsdenkens im Horizont der Realisierung von humanistischen Idealen deutet Benjamin den Lauf der Geschichte als eine Abfolge von Katastrophen. Der „neue“ Engel, der auf die Menschheitsgeschichte wie auf ein aufgeschichtetes Trümmerfeld zurückblickt, erscheint zerzaust, erschrocken und in seiner Form- und Gestalt asymmetrisch aus den Fugen geraten.  Die menschliche Zivilisationsgeschichte ist eine Gewaltgeschichte, die Flaschenpost des Humanismus und die Ideale der Vervollkommnung der Menschen sind vor barbarischen Abstürzen und strukturellen Gewaltzusammenhängen nicht nur nicht gefeit, sondern davon nicht zu trennen.

Und genau diese Spannung von Zivilisationserrungenschaft und Zivilisationsbruch war die weiterführende Spur unserer Exkursion:

Vor der Mittagspause bestaunten wir beim Flanieren durch „Mitte“ auf dem Gendarmenmarkt und vor dem Brandenburger Tor die repräsentative Eleganz und Wirkmächtigkeit des preußischen Klassizismus. Nach der Mittagspause besuchten wir gemeinsam das von Peter Eisenman entworfene „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ und den zugehörigen unterirdischen „Ort der Information“ mit seiner Dauerausstellung und Dokumentation zur Shoah. Für die Schüler:Innen der 10d schloss sich damit nicht nur ein Kreis zu schmerzhaften und herausfordernden Themen, Aspekten und Strukturen, die sie schon länger im Deutschunterricht behandelt hatten, sondern eröffnete die Chance zur erneuten Konkretion durch eindrückliche Bilder, Dokumentationen der zerstörten Lebenswelten und überlieferte Schriftzeugnisse von Opfern der Shoah.

Nach einem weiteren kleinen Spaziergang zurück in Richtung Reichstag und Hauptbahnhof machten wir eine kleine „Eispause“ und lösten dann unsere geschichtsträchtige schulische Veranstaltung am Nachmittag auf.

(La/Og)

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