Religion

„Eine Weltepoche, die anders als jede frühere geprägt ist durch Weltpolitik, Welttechnologie, Weltwirtschaft und Weltzivilisation, bedarf eines Weltethos.“
Hans Küng, 1993

Bildung, die den ganzen Menschen in den Blick nimmt, muss dessen Kultur, Religion und Weltanschauung ernst nehmen. Daher ist es für unsere verantwortungsvolle sowie nachhaltige Teilhabe und Mitgestaltung des Heute und Morgen unabdingbar, einen Grundkonsens über Werte und Normen, der unabhängig von Kultur oder Nationalität gilt, zu finden, damit ein gutes und konstruktives Zusammenleben in unserer global agierenden, zunehmend multikulturelleren Gesellschaft möglich ist. Dass religiöse und kulturelle Überlieferungen ein fester Bestandteil jeder Gesellschaft sind, ist dabei unbestritten. Die ,religious literacy‘ unser Schülerinnen und Schüler soll sie dazu befähigen, Potenziale und Risiken religiöser Kräfte zu erkennen, einzuschätzen und sie im Hinblick auf ein verantwortliches Leben als Gestaltungsfaktor wahrzunehmen.

WELTETHOS? WELTETHOS!

»Man sollte sich gegenüber anderen nicht in einer Weise benehmen, die für einen selbst unangenehm ist; das ist das Wesen der Moral.« HINDUISMUS Mohabharata XIII.114,8

»Keiner von euch ist ein Gläubiger, solange er nicht seinem Bruder wünscht, was er sich selber wünscht.« ISLAM 40 Hadithe (Sprüche Muhammads) von an-Nawawi 13

»Tue nicht anderen, was du nicht willst, dass sie dir tun.« JUDENTUM Rabbi Hillel, Sabbat 31a

»Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen ebenso.« CHRISTENTUM Matthäus 7,12; Lukas 6,3

»Ein Zustand, der nicht angenehm oder erfreulich für mich ist, soll es auch nicht für ihn sein; und ein Zustand, der nicht angenehm oder erfreulich für mich ist, wie kann ich ihn einem anderen zumuten?« BUDDHISMUS Samyutta Nikaya V. 353,35-354,2

»Was du selbst nicht wünschst, das tue auch nicht anderen Menschen an.« CHINESISCHE RELIGION Konfuzius, Gespräch 15,23

»Gleichgültig gegenüber weltlichen Dingen sollte der mensch wandeln und alle Geschöpfe in der Welt behandeln, wie er selbst behandelt sein möchte.“ JAINISMUS Sutrakritanga 1.11,33 

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„RELIGIONSUNTERRICHT FÜR ALLE“

Im Vergleich zu den anderen Bundesländern nimmt der Religionsunterricht (RU) in Hamburg eine besondere Position ein: Mit „Religionsunterricht für alle“ fordert und fördert der Rahmenplan Religion das Religionsverständnis unterschiedlicher Religionen und Konfessionen und vor allem den toleranten Umgang mit verschiedenen religiösen Überzeugungen. Wie an allen Hamburger Gymnasien werden auch bei uns seit dem 1.8.2005 im Jahrgang 5/6 für fachgerechtes Wissen um religiöse Traditionen, für Gesprächsbeteiligung, die auf sprachlich und sachlich richtige Begriffe gestützt ist, Noten vergeben.

Das schulinterne Curriculum sieht für den zweistündigen RU in den Jahrgängen 5/6 folgende Inhalte vor:

  • Vorstellungen von Gerechtigkeit (Was ist gerecht? Was ist wahr? Miteinander leben – wie geht das? Welche Antworten geben die Religionen? u.a.)
  • Reden mit Gott (Wie kann man mit Gott sprechen? Woran glauben die Menschen, die an Gott bzw. Transzendentes glauben? Gibt es Engel? u.a.)
  • Verschiedene Lebensformen und kulturelle Vielfalt in HH (Vgl. von Festen, Ritualen u.a.)
  • Heilige Schriften im Vergleich (Entstehung/Religionsstifter)
  • Glaube und Naturwissenschaft (Wie ist die Welt entstanden? Worin unterscheiden sich naturwissenschaftliche Theorien und religiöse Texte? Verantwortung für die Mitwelt u.a.)

Jahrgang 8 (neu ab August 2014: verbindlich Religion zweistündig)

Die drei großen Themenfelder lauten (nach Absprache werden zwei Inhalte bearbeitet):

  • Idole und Vorbilder (Wer sind meine Vorbilder? Wozu benötigen Menschen Vorbilder? Vorbilder in den Religionen? u.a.)
  • Propheten – damals und heute. (Wo kommen prophetische Figuren heutzutage vor? Was klagten religiöse Propheten vor über 2000 Jahren an? Haben sie uns heute noch etwas zu sagen? Gerechtigkeit / Gewissen)
  • Religionsgemeinschaften – konkret in Hamburg. (Welche religiösen Organisationen gibt es im Stadtteil (z.B. Kirchengemeinde, Moscheen und ihre Gemeinden, Diakonie)? Wie können wir in religiöser und kultureller Vielfalt konstruktiv leben? u.a.)

Jahrgang 9 (neu ab August 2015: verbindlich Philosophie zweistündig)

Jahrgang 10 (Wahlpflichtbereich Religion/Philosophie; zweistündig)

Hier stehen sechs Themenbereiche zur Auswahl – mindestens drei werden nach Absprache mit dem Kurs thematisiert:

  • Identität (Wer bin ich? Was macht mich einmalig? Was ist Glück? Sinnfragen; u.a.)
  • Freundschaft, Liebe, Partnerschaft (Was kennzeichnet die verschiedenen Formen von Beziehung? Geschlechtsspezifische Klischees; Was ist eine gelingende Beziehung? Welche Antworten geben religiöse Texte? u.a.)
  • Lehrer der Religionen (Schwerpunkt:Jesus und Mohammed)
  • Gerechtigkeit (Armut in HH (Projekt); Jüdisches Leben während des Nationalsozialismus im Grindelviertel; Religionen und Konflikte: Projekt Weltethos; u.a.)
  • Gott und das Göttliche (Gottesbilder im Vergleich; Gott – Transzendenz – Heiliges; u.a.)
  • Glaube und Zweifel (Was bedeutet „glauben?“; Kann ein Gläubiger zweifeln? Woran glauben Atheisten? u.a.)
  • Endlichkeit: Sterben – Tod; Auferstehung (Trauer- und Todesvorstellungen in den Religionen; Exkursion zum Ohlsdorfer Friedhof ; u.a.)

Oberstufe: Mittlerweile gehört das Unterrichtsfach Religion (zweistündig) zu den am stärksten angewählten Prüfungs-fächern im mündlichen Abitur.

Inhaltlich beschäftigen sich die SuS mit der Frage nach der Funktion von Religion, nach verschiedenen Gottesbildern und Transzendenzvorstellungen, nach Jesus und Christus, dem Verhältnis von Glaube und Wissenschaft, der Frage „Was ist der Mensch?“, dem interreligiösen Dialog und der übergeordneten Frage nach Freiheit und Verantwortung.

Weitere Informationen zum Unterrichtsfach Religion in Hamburg erhalten Sie unter http://li.hamburg.de/religionsunterricht/.

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Jahreslosung 2016:

„Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jesaja 66, 13)
Interpretation von Robin Detterbeck (S4)

 

 

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